• Meine beiden blauen Augen

    Gleich falte ich mich zusammen. Grundsätzlich hänge ich nur noch, wie der sprichwörtliche Schluck "Wasser in der Kurve", am Tipptisch, damit ich mich nicht wieder ab vier Uhr in der Früh auf den kommenden Tag vorbereiten muss.

    Heute in Kürze:
    Vier Uhr aufwachen - unruhiger Tagesbeginn mit Kopfweh und leichtem Zittern, verflixt - ein dreistündiges Seminar über "quasi-permanente Differenzen" - diverse Telefonate und Terminschwierigkeiten, weil ich kommende Woche nicht zeitgleich in Mönchengladbach und in Berlin das Rad in Schwung halten kann (Lösung: Massa überredet nach MG zu flattern!) - neben allgemeinen Dungkugeleien die gefürchtete Besprechung vorbereiten, durchzustehen und anschließend zu verwursten. Glück gehabt, meine aufrichtige Entschuldigung war definitiv richtig (in den Augen meiner Kundin, sie verzieh mir, weil ich jahrelang gute Arbeit abgeliefert habe. Mein Meister sah das anders, denn der ist perfekt und macht niemals Fehler! Egal.)

    Ferner:
    Wieder musste ich mich mit dem Freitod eines Menschen auseinandersetzen - und will das nicht. Trotzalledem fühle ich mit, es bewegt mich und lässt meine Erinnerungen zu. Robert E.nke, alles Gute Deiner Familie und Friede für Dich! Aber verdammt, warum muss ein Zugfahrer nun damit leben, Dir in den Himmel verholfen zu haben?

    Depressionen sind schaiZZe!!!

    Frau Grobi geht schlafen, Nacht zusammen!

  • Freundschaft!!!

    Halbzeit und "nur" noch eineinhalb Wochen Urlaubsvertretung, dann habe ich es gepackt. Sicherlich ist es bei Weitem nicht so schlimm, wie noch vor zwei Jahren, aber der Druck lastet kolossal auf mir. Heute fragte mich der Abteilungsleiter, ob ich mich denn freuen würde, wenn mein Einsatz im Mutterhaus beendet sei - mir entschlüpfte nur ein ehrliches "Oh, ja!". ASG, wir sprechen uns alle nur mit Kürzeln an, furchtbar!!!, grinste und erkundigte sich nebensächlich - ja, er ist ein Meister seines Faches - ob sich denn nichts verbessert hätte in den vergangenen zwei Jahren. So ein Schlitzohr! Natürlich hat es das, versicherte ich ihm, nicht ohne frech unbedarft-nebenbei-freundlich Kritik zu üben - auch ich habe dazugelernt, ätsch! So sagt FG (Frau Grobi).

    Die zurückliegende Woche? Reden wir nicht drüber! Der Höhepunkt war das neue iPhone meines Brötchengebers, welches zwar hübsch retro läutet, aber von ihm nur für eingehende Anrufe genutzt werden kann. Ohne Worte!

    Die Krise erlebte ich vorgestern, denn tatsächlich habe ich ein Dokument überblättert, sodass meine Kundschaft eine Zahlungsbenachrichtigung tatsächlich zu spät erhielt … ismirwirklichnochniepassiertHILFE … die Folgen sind noch unklar, denn Zeit für eine Ich-wälz-mich-im-Staube-Beichte beim Chef blieb mir nicht und meine Canossa-ich-wälz-mich-demütig-im-Dreck-E-Mail wurde von der Kundin nicht beantwortet. Morgen weiß ich mehr, denn wie es das Schicksal will, findet morgen eine, seit Langem terminierte, Besprechung mit eben dieser Dame und ihren Kollegen statt. Au weia.

    Kopfschmerzen plagen mich schon seit dem Aufwachen, ich fühle mich wie nach einer Silvesternacht, es wird Zeit mich in den Westflügel zu begeben. Gerne hätte ich noch berichtet, dass gerade die Berliner nichts mehr vom zwanzigjährigen Mauerfall hören wollen, denn ausgeschaltete Ampeln, Stau, Staatsgäste, grrrh. Demnächst. Vielleicht ...

    Gute Nacht im Grobiland!

  • Unverdünnte Hölle? Ich komme!

    Am 1. November 2007, heute vor zwei Jahren brachte ich Folgendes zur Taste:

    "Seufzend drücke ich meine Schlüsselkarte vor den Sensor, tausche mit den Empfangsschnecken einige nette Begrüßungsworte, leere mein prall gefülltes Post-Kästchen und stapfe mit dem dreißig zentimeterhohen Papierstapel durchs Treppenhaus. Das ist mein persönlicher Sportteil - erst der zwanzigminütige Run vom U-Bahnhof zum Zweitbüro und dann das viergeschossige Stiegenhaus.

    Wieder muss ich mich mit dem Stückchen Plastik legitimieren und ich betrete die Räume, wo die Zeit abgeschaltet wird.

    Sechzehn Stunden werden zu Minuten …"

    Ab Dienstag ist es wieder soweit, ich werde im Stammhaus meines Zweitbüros die Urlaubsvertretung der Oberdungkugelrollerin antreten, drei Wochen (!!!) welch' Graus. Etwas leichter als zu jener Zeit wird es mir definitiv fallen, denn damals kannte ich weder die zu verwendeten Computerprogramme noch waren mir die gängigen Hierarchien bekannt: siebzig Chefs, mit ebenso vielen Vorzimmerdamen … alle wichtig, wichtiger, am Wichtigsten, eben jeder eine kleine Gottheit, für die ich kleine Wunder vollbringen darf.

    Okay, ich habe die Hosen voll, aber ich werde es rocken!

  • Fenster auf. Geld raus.

    Ich war Frustshoppen - ein Höschen, mehrere Pullöverchen und Jäckchen, zwei Fläschchen Roten … und 'ne englisch kommunizierende Digitalkamera in blau. Für tatsächliche geplante Investitionen, einen Duft, ein wenig Musik und neuen Lesestoff blieb dann kein Geld mehr. Fast 500 Ocken habe ich verschleudert … Warum? Ganz einfach, ich wollte mich ablenken, mein ramponiertes Selbstbewusstsein aufmöbeln und über einen neuen Fotofreund wollte ich sowieso Informationen einholen.

    Und warum, verdammt? Das begann nämlich so … "Wer von Ihnen drei Umsatzträgern bringt wohl den geringsten Anteil?", wurde ich gestern nachmittags gefragt. Diplomatisch antwortete ich ausweichend: "Ich jedenfalls nicht." Seit Beginn meiner Anstellung als Dungkugelrollerin bringe ich stets den Löwenanteil für diese Statistik, weil ich selbst mein härtester Gegner bin, ich bestätige mich damit und hebe mein Selbstwertgefühl. Lob habe ich dafür nie erwartet, nicht gemotzt ist Lob genug, heißt es bei uns im Büro. "Sie müssen das aber relativieren, Frau Grobi! Immerhin arbeiten für Sie die besten Mitarbeiter", und so weiter. Am Ende des Gesprächs wurde mein Schaffen so abgemildert, dass ich dem Kollegen im Ernstfall nicht das Wasser reichen könnte.

    Bumm, das hat gesessen, überzeugende Gegenargumente fielen mir erst später ein. Ich fühle mich ungerecht behandelt, herabgesetzt, demotiviert und bin beleidigt. Ich weiß, dass ich fleißig, ordentlich, flink und ehrgeizig bin. Und überhaupt! Aber es schmerzt. Klein halten, nenne ich so etwas - wer ist hier die arme Wurst? Häh?!

  • $Name ist ein kleiner Unternehmer ...

    Ein vorerst letztes Mal die Stadtautobahn nach Hause benutzen - sich in den Stau einfädeln, mühsam von der rechten auf die dritte Spur links außen wechseln, um, unter größter Obacht mit satten fünfundvierzigdreiviertel Klamotten den Abzweig zum Tunnel Tegel zu passieren, das, genau das war heute mein Ziel (ab Montag wird vom Autobahndreieck Charlottenburg bis Abfahrt Seestraße saniert - voraussichtlich 21 Monate lang! Na, prima!).

    Es war ein Erlebnis! So wie eine Achterbahnfahrt, wenn dir Adrenalin durch die Adern gepumpt wird, wenn sich das Scheiße-ich-will-sterben-Gefühl mit dem Ich-bin-so-geil-Gedanken paart. Sicher hätte ich mich auch die Stadt bewegen, und dabei an den Greenpeace-Aktivisten, die Goldelse behängend, erfreuen können
    … so war es besser.

    Wochenende. Und nur diesen erquicklichen Gedanken will ich behalten, denn das LMAA-Gefühl und die tausend Kleinigkeiten im Fass des Überlaufens gehen m.a.A. vorbei. So was von. Gute Nacht im Grobiland!

  • Gedanken …

    … vor der Wahl:

    Gestern habe ich meine Lebensmittel in Eiche eingeholt, was mir eine gemütliche Fahrt durch halb Berlin ermöglichte. Je weiter ich in den Osten eindrang, umso gravierender wurden die Wahlversprechen der Parteien, wie die Plakatwände zeigten. Es ging hin bis zur Forderung der Todesstrafe, wirklich schlimm!!!

    Ja, ich gehe wählen. Ich gehe wählen, weil ich mitreden will. Ich gehe wählen, weil ich rechts/links Gruppierungen Einhalt gebieten möchte. Ich gehe aber nicht wählen, weil ich voll und ganz hinter einer Person oder einer Partei stehe!, vielmehr wähle ich das kleinste Übel und überdenke stets gewissenhaft meine zwei Kreuzchen. Lästern und kommentieren werde ich auch künftig grundsätzlich parteiübergreifend, jawoll.



    … nach der Wahl:

    Interessant finde ich die erste Prognose und schließlich das tatsächliche Ergebnis, aber was bekomme ich geboten?

    Frank-Walter hält sich gerade eine ausführliche Laudatio auf sich selbst - und zwar auf allen Sendern gleichzeitig. Er schwafelt, schwafelt und schwafelt, hat das Schmutzschäufelchen ausgepackt und weckt nur Mitleid in mir.

    Angie wird mir immer sympathischer, gerade weil sie soeben eine humorige und vor allem kurze Rede gehalten hat, in der sie auf die abartige Innen-Unart fast weitgehend verzichtet hat. Wenn ich aufmerksam zugehört habe, sprach sie nur einmal von Mitarbeitern und Mitarbeiter_Innen (diesem Thema sollte ich unbedingt einmal einen gesonderten Beitrag widmen!).

    Guido (Gu-i-do, Gu, I do?) redet vom Wirgefühl! Er ("wir") bedankt sich bei allen und jedem und grinst dabei so selbstgefällig, dass WIR merken, dass er sich nur höchstselbst auf die schmalen Schultern klopft.

    Ich schalte um. Nochmal. Und nochmal. Gähn, ich gedenke mir ein Gläschen Wein zu genehmigen, auf Filme aus der Konserve zu wechseln und diesen Sonntag ruhig und entspannt beenden. Gute Nacht im Grobiland!

  • Blaufrosch mit Paprika

    Mir ist schon lange bekannt, dass ich an einer Rot-Grün-Schwäche "leide", habe dem aber keine große Bedeutung beigemessen; ich bilde mir ein rot und grün unterscheiden zu können. Hm, ich bilde mir aber auch ein eine Frau zu sein … Frauen leiden übrigens viel seltener unter der Farbschwäche, weil sie zwei X-Chromosomen haben, die beide belastet sein müssen, bei Männern und mir reicht ein Ix.

    Dann und wann stolpere ich beim Studieren von Frauenzeitschriften, einer beliebten Sonntagmorgenbeschäftigung, über dieses Thema und ärgere mich stets, wenn ich in den Kreisdiagrammen keine 47 - und selbst die 17 nur schwer - erkennen kann.

    Wie sehen meine Farbwahlen für andere aus? Ich kombiniere zwar grundsätzlich keine Farben miteinander und verwendete immer eine unbunte Farbe als zweite Wahl, aber wer weiß schon, wie augenschmeichlerisch das auf andere wirken muss. Ist mein hübsches moosgrünes Bettkleidchen nun dunkelgrün oder zinnoberrot? Esse ich später zu den Schweinewürfeln ein rotes oder ein grünes Paprikasösschen? Am Besten lasse ich den Paprika weg, weil gelben habe ich nicht im Gemüsekühlfach! Und betrifft dieses Rot-Grün-Gedöns nur diese zwei Farben oder ist mein Rosa orange, mein Hellblau giftgrün, mein Kirschrot hollerbeerfarben??? Hilfe!

  • Linda liebt Tiere

    Warum mein geträumter Lebensgefährte als Müllmensch auftrat, ist mir zwar nicht ganz klar, die Lösung werde ich bedauerlicherweise auch nicht mehr finden. Dafür würde ich mich gerne bei Senor Espinoza, dem Herrn in der Wohnung unter mir bedanken, aber der wird sicher noch schlafen. Es ist ganz ruhig … anders heute Morgen um halb sieben, als ich mittels lauter spanischer Folklore aus dem Tiefschlaf gerissen wurde.

    Frustriert stieg ich in die Jeans und rezitierte mein Mantra, nämlich nicht mehr grantig den Tag zu beginnen - ich will netter werden, mich nicht über alles und jedes aufregen und mehr lächeln. Im Ernst, ich bin auf dem besten Wege eine altbackene Gewitterziege zu werden, ein Garstvogel, wie eine ehemalige Kollegin im Hessenland lachend sagte (Oller Garschtvochel, du), wenn ich meuterte. Meine Ich-will-freundlicher-werden-Versuche ist eine Übung für die Zeit nach meinem kurzen Urlaub, denn ich möchte einen Tag ohne Meckereien verleben und Gegner nur lächelnd die Zähne zu zeigen. Ob mir das jemals gelingen wird? Unwahrscheinlich.

    Erstes Ziel war ein Bio-Kaufhaus, welches wunderbare Sauerteigbrötchen verkauft, für die es sich tatsächlich lohnt seinen Grusel zu überwinden. Viele Mütter und einige verhärmt aussehende Menschen schoben sich durch die eng gestellten Gänge, wo ich pflichtschuldig immer mal wieder einen Gegenstand aus dem Regal nahm, um Interesse zu signalisieren. Auf Schildern wurden vegane Lebensmittel feilgeboten, weil "wir lieben Tiere". Daneben befindet sich die Fleischtheke, wo ich Bio-Schabefleisch erwarb und dachte frech grinsend "ich liebe Tiere!".

    Zwei weitere Pluspunkte dieses Einkaufserlebnisses waren die Tatsache nur einen Chicorée-Salat zu erstehen, nicht drei Abgepackte, sowie meine erste Begegnung mit der Kartoffelsorte Linda. Diese Knollen sind wirklich unglaublich lecker, ihr Name schon seit vielen Jahren ein Begriff für mich, aber ich konnte sie niemals kosten. Linda mit Linsen gibt es heute. Legga!

    Finales Ziel meines heutigen Einkaufs war ein wundervoller Buchladen, der mir wenigstens zwei Stunden und fast fünfzig Euro raubte. Neben Grammatikbüchern (fürs Büro, denn privat schreibe ich ohne deutsches Korsett, möpp) gönnte ich mir ein neues Hörbuch. Herr Schmitz liest aus seinem Roman "Schmitz' Katze", was mir auf der Rückfahrt die Lachtränen strömen lies. Selbstverständlich hatte ich mich bei Hügendübel bereits in das gedruckte Wort eingelesen, das Buch für gut, aber nicht öffentlichkeitstauglich, befunden, definitiv kein Buch für die Ö-Bahnen, ich musste zu oft laut auflachen und mich schließlich für die Hörversion entschieden.

    Jetzt ist aber Schluss mit Lustig, Frau Grobi muss an den Herd!

  • Spindwechsel

    Der Fränkfurt-Style weicht vom Bärliner Kleidungswesen deutlich ab, wie ich heute bestätigt bekam. Vergangene Woche noch auf der Zeil im guten alten Frankfurt am Main ein Drittel Monatsgehalt verballert, so kostete es mich heute sehr große Mühen die Zahlkarte in der Tasche zu behalten. Liebe Winterröckchen in steingrau und rotkariert, möglicherweise etwas kurz für mein fortgeschrittenes Alter, mirdochwurschtegal, entzückende Weichlederstiefelchen, passen so gut zu den Röckchen, und das flauschig weiche Strickjäckchen in Dunkelgelb warten hoffentlich auf meinen nächsten Besuch, denn mit der nächsten Gehaltsauszahlung werden diese schönen Stücke in meinen Schrank wandern.

    Öffnen Sie den Schrank und lächeln Sie, oder ähnliches habe ich in einem Zusammenhang mit Aufräum- und Lebenstipps gelesen, dieses freudige Gefühl kommt mir zwar nur bei geöffneten Schranktüren, denn dieses Möbel war meine größte Fehlinvestition, wo der Geiz über die Optik gesiegt hat. Aber heute will ich ihn ausräumen, wie in Frankfurt vor einer Woche, und die Sommer-Sommer-Sachen mit den Sommer-Herbst-Klamotten auszutauschen, weil es einfach Spaß macht in seinen liebevoll ausgesuchten, sauer verdienten und leichten Herzens bezahlten Einzelstücken zu wühlen, sie zu probieren, zu betatschen, zu beschnüffeln und einfach nur das erhebende Alles-Meins-Gefühl zu erleben.

  • Schicker Shoppen

    Gestern habe ich so wenig getan, dass ich mich kaum erinnern kann, wie ich den Tag herum bekommen habe - mein Körper und mein Geist haben sich eine Auszeit genehmigt. Nach dem erfüllten Wochenende in Frankfurt, der aufregenden Reise schlechthin und dem Live-Kontakt mit Menschen fühle ich mich doch schon sehr allein, aber das kenne ich schon, geht vorüber und dann blicke ich wieder nach vorne.

    Vier Tage voraus, um genau zu sein, denn ich befinde mich in meinem Jahresurlaub des Vorjahres, welchen ich mit ein wenig Hausarbeit beginnen möchte. Aufgerüscht bin ich bereits, wat mut, dat mut; jetzt werde ich ein wenig Mundvorrat einholen, im Baumarkt am Ostbahnhof stöbern und eventuell einem Brillenmacher einen Besuch abstatten. Los gehts!

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